Kurz erklärt
Bei einer Flash-Anzan-Leistung wurden 30 dreistellige Zahlen in 3,29 Sekunden addiert. Möglich wird das durch jahrelanges Spezialtraining. Eine behauptete Geschwindigkeitsgrenze für alles menschliche Denken muss aber auch die schnellsten menschlichen Leistungen erklären können.
So sieht die Aufgabe aus
Stell dir vor, diese 30 dreistelligen Zahlen erscheinen nacheinander. Ein Spitzenrechner addierte 30 solcher Zahlen in 3,29 Sekunden:
384 + 719 + 256 + 903 + 147 + 628 + 571 + 842 + 395 + 164 + 736 + 219 + 487 + 950 + 302 + 675 + 813 + 426 + 591 + 748 + 263 + 809 + 135 + 674 + 927 + 318 + 452 + 786 + 541 + 690 = ?
Beispielzahlen, nicht die Zahlen der dokumentierten Leistung.
Was bedeuten hier Bit pro Sekunde?
Ein Bit steht für eine Entscheidung zwischen zwei gleich wahrscheinlichen Möglichkeiten; acht Bit ergeben ein Byte. Eine WLAN-Verbindung mit 100 Megabit pro Sekunde überträgt 100 Millionen Bit pro Sekunde, und ein 3-MB-Handyfoto enthält etwa 24 Millionen Bit. Beim Kopfrechnen beschreibt dieselbe Einheit die Unsicherheit der gesehenen Zahlen und der gedanklich durchlaufenen Zwischenergebnisse. Damit lassen sich Informationsraten als Größen vergleichen; zugleich wird sichtbar, wie unterschiedlich die Information dargestellt ist: Digitaler Datenverkehr trägt codierte Daten, ein trainierter Rechner kann mit jeder neuen Zahl einen kompakten gedanklichen Abakus aktualisieren.
Was wurde untersucht?
Die Arbeit untersucht anspruchsvolles Kopfrechnen anhand internationaler Wettbewerbe und Rekordversuche. Ein konkretes Beispiel: Die Japan Flash Anzan Association meldet für 2026 eine Leistung von Yuichiro Takakura: 30 dreistellige Zahlen in 3,29 Sekunden addiert. Der Verband bezeichnet dies als zur Guinness-Anerkennung eingereichten Rekord, nicht als bereits bestätigten Guinness-Rekord. Die Studie setzt die Information, die zum Wahrnehmen der Zahlen und Ausführen der Rechnung benötigt wird, ins Verhältnis zur Zeit. Die angegebenen Raten sind modellbasierte Schätzungen, keine Messungen einzelner Nervenzellen oder des Denkens insgesamt.
Was ergab die Analyse?
Die schnellsten kurzen Rechnungen ergeben Raten deutlich über manchen früheren Schätzungen für höhere kognitive Leistungen. Das Modell erreicht mehr als 215 Bit pro Sekunde: ungefähr 125 für das Wahrnehmen der Zahlen und 90 für die Zwischenschritte des Rechenverfahrens. Bei manchen längeren Leistungen bleiben die Raten ebenfalls hoch. Die Teilnehmenden rufen nicht bloß eine Antwort aus dem Gedächtnis ab, sondern aktualisieren fortlaufend eine erlernte innere Vorstellung. Die Leistung von 3,29 Sekunden stammt aus der Zeit nach der Überarbeitung der Arbeit von 2026 und veranschaulicht die Aufgabe, ohne in die Berechnungen eingeflossen zu sein.
Was lässt sich daraus nicht ableiten?
Die untersuchten Aufgaben bedeuten nicht, dass alle Menschen mit 215 Bit pro Sekunde denken oder diese Rate ohne intensives Training erreichen können. Eine behauptete Grenze für menschliches Denken muss dennoch auch die höchsten beobachteten Leistungen erklären können. Die Zahlen hängen davon ab, wie Information und Rechenschritte modelliert werden.
Warum ist das ein Vortragsthema?
Wir alle treffen schnelle Entscheidungen, etwa beim Fahren auf der Autobahn. Dabei greifen Wahrnehmung, Vorhersage, Gewohnheit und Bewegung ineinander, sodass sich eine aussagekräftige Bitrate nur schwer berechnen lässt. Beim Kopfrechnen sind Eingaben und Arbeitsschritte viel leichter abzuzählen. So wird messbar, wie schnell ein trainierter menschlicher Geist mit einem inneren Modell arbeiten kann. Computer und Sprachmodelle verarbeiten weit mehr digitale Daten, doch die Bitrate ihrer Hardware allein sagt wenig darüber aus, wie effizient sie—oder wir—aus Vorstellungen nützliche Entscheidungen gewinnen. Diese Frage verbindet die Forschung mit meinen Vorträgen über Lernen, Aufmerksamkeit und Informationsverarbeitung.